Lernen von den Großen

Sassenberg - Norbert Dunker hält ein kleines, rundes Gerät in die Luft. Er blickt die Schüler der Klasse 6a an und fragt: „Was glaubt ihr, wie viele Teile liegen hier im Lager?“ Die Schätzungen gehen weit auseinander, und die Auflösung ist deutlich höher als erwartet. „Wir haben über zwei Millionen Teile hier“, sagt der Fertigungsleiter der Firma technotrans. Dabei werde aber immer nur so viel gelagert, wie wirklich gebraucht werde, denn das Lager solle klein gehalten werden. Entscheidend sei ein schneller Umschlag der Waren, denn dann würde man auch Geld verdienen. „Im Lager werden die Sachen zusammengestellt und in der Produktion zusammengebaut“, macht er deutlich.

Norbert Dunker führte die „Mitarbeiter des Schülerunternehmens“ durch die Firma technotrans und erläuterte dabei den Weg von der Bestellung bis zur Auslieferung des Produktes. Dabei bewies der Fertigungsleiter großes Geschick im Umgang mit den Sechstklässlern und zeigte sich auch über die Arbeit des Schülerunternehmens bestens informiert.

Begonnen hatte der Vormittag bei technotrans mit Informationen zum Sassenberger Unternehmen, die in einer Power-Point-Präsentation vorgestellt wurden. „Die Schüler machen schon total gute Sachen, aber die Kommunikation zwischen den Abteilungen muss noch verbessert werden“, erklärte Projektleiter und Ausbildungskoordinator Jürgen Schürenkamp, Gemeinsam mit Beratungslehrerin Jutta Noe, zuständig für die Abteilung Marketing, und Schulsozialarbeiterin Lioba Garmann, zuständig für die Abteilung Verwaltung und Logistik, leitet Schürenkamp das Schülerunternehmen. „In einem Jahr sollen die Schüler das Unternehmen selbst leiten, deshalb bin ich froh, dass wir uns technotrans ansehen dürfen, um etwas von einem großen Unternehmen zu lernen“, sagte Schürenkamp. Denn hier werde deutlich, dass es nur über Teamwork geht. Schließlich soll das Schülerunternehmen möglichst bis zur zehnten Klasse fortgeführt werden.
Der Kontakt zu technotrans war über Dorothee Arenhövel entstanden, die als Expertin für Verwaltung und Logistik zur Verfügung steht. „Ich bin zwei Mal in der Woche in der Schule. Das macht sehr viel Spaß. Die Schüler sind interessiert und motiviert“, versicherte Dorothee Arenhövel, die noch ihre Elternzeit genießt. Das Unternehmen technotrans freut sich über den Besuch. „Für uns ist es wichtig, Engagement vor Ort zu zeigen. Die jungen Leute liegen uns am Herzen, schließlich sind es potenzielle Auszubildende für uns“, erklärte Thessa Roderig, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.
Die Betriebsbesichtigung begeisterte die Sechstklässler, und daran hatte Norbert Dunker einen großen Anteil. „Wichtig ist es, dass die Abteilungen miteinander reden“, machte er deutlich. Und gerade hier muss wohl das Schülerunternehmen noch an sich arbeiten. „Wenn unser Stehpult in Fertigung geht, müssen die Abläufe stimmen“, sagte Schürenkamp. Norbert Dunker zeigte sich auch beeindruckt. „Ich bin ja mal gespannt auf euer Stehpult, ohne Schrauben und höhenverstellbar, das klingt gut. Was bekommt ihr denn eigentlich für den Verkauf?“ Die Antwort kam blitzschnell: „Pizza essen.“ Und Jutta Noe ergänzte: „Die Lehrer machen davon Urlaub in der Karibik.“

von Ulrich Lieber / Westfälische Nachrichten vom 02.06.2010