Arbeit auf höchstem Niveau
Sassenberg - Alle Abteilungen arbeiten auf Hochtouren. Nur noch eine Woche, und dann wird das Schülerunternehmen der Hauptschule vier Prototypen des mobilen und flexiblen Stehpultes präsentieren. Die Klasse 7a ist mit allen 28 Schülern mit Feuereifer bei der Sache. In der Abteilung „Verwaltung und Logistik“ wird unter der Leitung von Lioba Garmann und Dorothee Arenhövel die Organisation des nächsten Donnerstages besprochen. So müssen beispielsweise Getränke bestellt und an Ort und Stelle gebracht werden.
Ein paar Räume weiter beschäftigt sich die Abteilung „Werbung und Marketing“ mit der Erstellung eines Flyers. „Wir haben den Aufbau von Flyern besprochen und überlegt, welche Möglichkeiten es gibt“, sagt Abteilungsleiterin Jutta Noe, die Unterstützung von Michael Brandmann erhält. Er ist Azubi in der Marketingagentur Fundus (Münster) und hilft den Schülern bei der Erstellung von Scribbeln für einen eigenen Flyer.
Handwerklich geht es in der Abteilung Produktion zu, die zurzeit in zwei Bereiche aufgeteilt ist. Während die eine Gruppe dafür sorgt, dass im Keller künftig ein Raum als Produktionsstätte dienen kann, stellt die andere Gruppe im Werkraum gerade den ersten eigenen Prototyp des Stehpultes auf die Beine. Auffällig dabei: Hier sind mit Kristin, Jessica und Jennifer die Mädchen in der Überzahl. Sie arbeiten gemeinsam mit Matthias und Thomas am Zusammenbau. Unterstützt werden sie hier von „Altmeister“ August Budde und den Studenten Christian Schulze Johann und Christian Schlick, die die Berufsakademie Melle besuchen. Der Leiter der Berufsakademie, Rainer Sökeland, hält die Produktion auf einem Videofilm fest.
„Unser Ziel ist die Praxisorientierung und die Vermittlung von Sozialkompetenz“, erklärt Sökeland den Grund für das Engagement der Berufsakademie. Gerade die Sozialkompetenz sei ungeheuer wichtig, sogar wichtiger als die Fachkompetenz. „Die Studenten haben hier einiges für sich mitgenommen“, ist er sich sicher.Projektleiter Jürgen Schürenkamp, gleichzeitig auch Klassenlehrer der 7a, ist voll des Lobes für die Zusammenarbeit mit der Berufsakademie. „Die Studenten arbeiten mit so viel Engagement und Professionalität, dass ich abends emotional berührt nach Hause gehe.“ Die Arbeit sei gar nicht hoch genug zu würdigen. Und da neben dem Stehpult in der Hauptschule in Melle noch drei weitere Prototypen entstehen, die am Donnerstag vorgestellt werden sollen, sei er schon „irre gespannt“, was er da zu sehen bekommen wird.
Damit dieses Projekt auch finanziell gestemmt werden kann, braucht die Hauptschule weitere Rückendeckung. Mit „Zukunft fördern. Vertiefte Berufsorientierung gestalten“ unterstützen die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit und das Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW die individuelle Berufsorientierung der Schüler. Dirk Förster, zuständig für das Projektmanagement für Schülerfirmen, zeigt sich angetan von der Sassenberger Umsetzung. „Was ich wunderbar finde, ist die Tatsache, dass Externe aus der Wirtschaft eingebunden sind. Da wird berufsorientierte Kompetenz vermittelt, die die Schüler später im Beruf umsetzen können.“ Die Arbeitsagentur habe rund acht Millionen als Finanzmittel für NRW zur Verfügung gestellt.
Schulleiter Reinhold Bussieweke lobt das finanzielle Engagement: „Das Projekt war für uns die Basis. Es war der Gedankengeber für alles.“ Und auch die Umsetzung mit der Berufsakademie Melle begeistert ihn: „Das ist Arbeit auf höchstem Niveau.“
Schülerfirma entwickelt mobilen Stehtisch bis zur Serienreife
Sassenberg (Glocke/dor) Im März dieses Jahres hat die Klasse 7a der Hauptschule ihre eigene Schülerfirma gegründet und den Prototyp eines mobilen Stehtisches präsentiert. Dieser wurde in der Zwischenzeit von Studenten der Holztechnik der Berufsakademie Melle zur Serienreife gebracht. Nächsten Donnerstag (23.09.10) sollen die praktischen und formschönen Modelle erstmals präsentiert werden.
,,Wenn ihr die Höhe des Stehpults verändern wollt, müsst Ihr einfach diese beiden Verbindungsstücke in die Löcher stecken“, erklärt Christian Schlick, Student der Holztechnik an der Berufsakademie Melle, den Siebtklässlern Kristin, Thomas, Jennifer und Jessica. Die Schülerinnen und Schüler der 7a der Ganztagshauptschule hören aufmerksam zu, stammt doch die Idee dieses mobilen Stehtisches von ihnen. Nach der ersten Vorstellung ihres Stehtisches waren die Studenten der Holztechnik gefragt. Sie sollten den Prototyp so weiterentwickeln, dass er in Serienfertigung gehen kann, Dieser Aufgabe gingen die Studenten mit so großem Eifer nach, dass am Ende gar vier serienreife Stehtische entstanden sind. Sie alle werden am Donnerstag erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Doch bis dahin liegt vor den Mitarbeitern noch ein ganzes Stückchen Arbeit. Die Abteilung „Verwaltung und Logistik“ beschäftigt sich derzeit mit der Planung des Nachmittags. ,,Woher beziehen wir die Getränke und wie bekommen wir sie hierher“, sind einige der Fragestellungen. Unterstützt werden die Schüler dabei von der Abteilungsleiterin und Schulsozialpädagogin Lioba Garmann und von Dorothee Arenhövel, die als externe Beraterin ihr Know-how im Bereich Personalwesen einbringt. In der Abteilung ,,Werbung und Marketing" arbeiten die Schüler an dem Layout ihres Firmen-Flyers.
Praxisnahe Vorbereitung auf die spätere Arbeitswelt
Inder Produktion wird derweil letzte Hand angelegt an die serienreifen Vorführobjekte. Mit Wohlwollen, Stolz und Anerkennung begaben sich jetzt Rektor Reinhold Bussieweke, Berufswahlkoordinator und Firmenchef Jürgen Schürenkamp, Rainer Sökeland, Dozent an der Berufsakademie Melle und Dirk Förster, Leiter des Projekts ,,Zukunft fördern“ der Stiftung „Partner für Schule NRW, auf einen Firmenrundgang. Wie Schürenkamp sagte, handelt es sich bei dem Projekt „Schülerfirma“ um eine Maßnahme des schuleigenen Berufsorientierungsbüros. Zwei Stunden wöchentlich ist das Projekt im, Unterrichtsplan festgeschrieben. Gefördert wird die Firma mit 7500 Euro von der Stiftung „Partner für Schule“, von der Bundesagentur für Arbeit und vom Ministerium für Schule und Weiterbildung. Die Vorteile der Schülerfirma erläutert Schürenkamp so:
,,Die Schüler werden praxisnah auf Ausbildung und Arbeitswelt vorbereitet. Sie lernen Schlüsselkompetenzen durch die Übernahme von Verantwortung. Sie lernen Unternehmen als arbeitsteilige Systeme kennen“Jürgen Schürenkamp freut sich, mit der Berufsakademie Melle einen qualifizierten Partner gefunden zu haben. Rainer Sökeland, Dozent an der Berufsakademie Melle, lobte seinerseits die Synergieeffekte des Projekts. Schließlich würden auch seine Studenten von der Zusammenarbeit profitieren. ,,Sie lernen hier Sozialkompetenz", so der Fachmann. Voll des Lobes zeigt sich auch Dirk Förster, der im Rahmen der Stiftung ,,Partner für Schule", die Schülerfirmen besucht und begleitet. Wie er sagte, haben bisher gut 2000 Schulen in NRW an dem Projekt ,,Zukunft fördern" teilgenommen. Er findet es toll, dass in der Schülerfirma externe Partner aus dem Wirtschaftsleben eingebunden sind, die den Schülern nötige berufliche Kompetenzen mit auf den Weg geben können. Bussieweke gab den Ball gern zurück ,,Durch die Stiftung wurde nicht nur die Basis für unsere Schülerfirma gelegt, sondern auch für unser Berufsorientierungsbüro", so der Schulleiter. Für Bussieweke ist die Schülerfirma Teil der vertiefenden Berufsorientierung, die nach seinen Worten zugleich Auftrag der Ganztagsschulen ist.